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Das Totenreich der germanischen Mythologie
#1
"Sinai, (in: Das 5. Gebot Du sollst nicht Töten) schrieb:Der altnordische Begriff hel wurde dafür genommen. Blöder gehts nicht.
hel ist im Wort walhalla erkennbar.

In der altnordischen hel wurde gesoffen und gefressen, dort tafelten die gefallenen Krieger.

Woher hast Du das?

Nach Walhall kamen die, die Odin gehörten. Also jene, die im Kampf gefallen waren.

Nach Hel kamen nach altnordischen Vorstellungen jene, die durch Krankheit und Altersschwäche verstorben waren.

"Nach Hel kommen" ist in der Skaldik ein Synonym für Sterben.
MfG B.
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#2
Genaugenommen gab es da 4 Totenreiche: Die Gefallenen wurden zu Gleichen Teilen zwischen Odin und Freya aufgeteit und kamen nach Wallhalla oder Folkwang (beides Partystätten mit Met, Weib und Gesang sowie Dauerkämpfen zur Ertüchtigung), dann gab es noch das Reich der Meeresgöttin Rán für die Ertrunkenen (kein angenehmer Ort) sowie eben Hel für die an Krankheit, Altersschwäche oder unehrenhafter Hinrichtung Gestorbenen (ebenfalls kein angenehmer Ort),..
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
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#3
(24-02-2014, 23:23)d.n. schrieb: Die Gefallenen wurden zu Gleichen Teilen zwischen Odin und Freya aufgeteit und kamen nach Wallhalla oder Folkwang...

So ist es!

Wenn Freyja mit in die Schlacht zieht, bekommt sie die Hälfte der Gefallenen (Gylf 23, Grm 14).
MfG B.
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#4
So ist es, leicht hier nachzulesen:
14.
Fólkvangr er inn níundi,
en þar Freyja ræðr
sessa kostum í sal;
halfan val hon kýss hverjan dag,
en halfan Óðinn á.

„Volkwang ist die neunte:
da hat Freyja Gewalt
Die Sitze zu ordnen im Saal.
Der Walstatt Hälfte wählt sie täglich,
Odin hat die andre Hälfte.“

Hatt vermutlich damit zu tun, dass Odin zu den Asen, Freyja zu den Wanen gehört,..d.h. beide Göttergeschlechter teilen sich die Einherjer auf,..

@ Bion: du beziehst dich sicherlich auf Gylfagnning 24, nicht 23, in 23 dreht es sich um Njörd und Skadi ( die Eltern), erst in 24 geht es um Freyr und Freya,.. Icon_wink
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
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#5
(25-02-2014, 08:42)d.n. schrieb: du beziehst dich sicherlich auf Gylfagnning 24,...

Richtig! Ich hatte mich um einen Versabsatz vertan.
MfG B.
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#6
Uns sind von den Germanen mindestens 8 Totenreiche bekannt: Hel, Walhall, Sessrumnir, Bilskirnir, Ran, Gimle, Sindri und Gefjons Gefolge.

Würde man die alten Sagen, die uns überliefert sind, grundlegend unreflektiert betrachten, so bekämen die Totenreiche folgende Funktionen:
  • Hel ist erstmal das Standard-Totenreich. Ein unterirdisches Land, dessen Eingang im hohen Norden liegt. Hel ist weder ein Ort der Bestrafung (vgl. Hölle) noch ein Ort der Heiterkeit (vgl. Himmel), sondern ein Ort wie unsere Welt auch - wertneutral. Einfach das Land der Toten. Dort leben sie wie wir, betreiben Feldbau, feiern, et cetera... nur ein Strand unten in Hel, dort gelangen Meuchelmörder und Diebe hin, und dort ist das Leben gar nicht angenehm. Klar, sie werden nicht bis in die Ewigkeit gefoltert, aber wo giftige Gase wabern und Schlangen in den Häusern hausen, da ist es nicht schön. Desweiteren gibt es noch Nifhel, das ist der dunkelste, nebeligste und tiefste Ort Hels. Dort hin gelangen jene, die selbst in Hel noch einmal gestorben sind! Ein entkommen von dort ist schier unmöglich...
  • Stirbst du allerdings in einer Schlacht, wirst du von den Walküren - weiblichen Geistwesen - nach Asgard, dem Götterland im Nordhimmel gebracht. Als erstes begleitet man dich nach Sessrumnir - es ist die Fest-Halle der Liebesgöttin Freyja auf ihrem Hof Folkwang. Entweder sie wählt dich, bei ihr zu bleiben, oder schickt dich hinfort.
  • In diesem Falle gelangst du in die höchstgelegene und ehrenhafteste aller Hallen - Walhall. Der Gastgeber hier ist Götterfürst und Herr der Geisterwelt Odin. Wer hier hin gelangt wird ein sog. "Einherjer" - tags über trainieren sie sich im Kampfe, nachts feiern sie ausgiebige Feste.
  • Stirbst du aber auf hoher See, in dem du über Bord gehst und ertrinkst, dann gehst du der Riesin Ran in die Falle, die in den dunklen Tiefen mit ihrem Netz lauert und auf solche wie dich wartet. Sie zieht dich dann hinunter auf den Grund des Meeres, wo du in ihrem nassen Reich, das so heißt wie sie, verbleibst.
  • Warst du dein ganzes Leben lang Knecht oder Magd, so gelangst du im Tode wiederum in die Halle Bilskirnir, dort auf dem Hofe des Gottes Thor, der u.a. der Gott des einfachen Bauern ist. Bilskirnir ist das gewaltigste Gebäude aller Welten.
  • Wenn du aber unverheiratet oder gar als Jungfrau stirbst, so wirst du im Tode in das Gefolge der Gefjon, einer Fruchtbarkeits-Göttin, einziehen. Auf ihren Wanderschaften durch die Lande wird sie von ihrem Gefolge stets
    begleitet.
  • Sindri wird erst nach dem finalen Schicksal der Götter Ragnarok - quasi sowas wie ein Weltuntergang - erbaut werden. Hel wird ohne Führung und zerrüttet sein, daher werden die Götter für all die menschlichen Opfer der apokalyptischen Katastrophen Hels, die reinen Herzens sind, eine Halle ganz in der Nähe bauen, nahe dem Land der Zwerge.
  • Gimle wird zur selben Zeit erbaut werden, aber hoch oben im Himmel. Die Überlebenden Ragnaroks, die auf Seiten der Götter gekämpft haben werden, werden dort die Ewigkeit in paradiesischen Verhältnissen zubringen.

Allerdings ist das reine Vertrauen auf die Sagen, ohne sie reflektiert und im Kontext zu sehen, äußerst narrenhaft. Anderen Religionen geht es da ja ähnlich, denke ich.
Viele Sagen sind uns von christlichen Gelehrten wie dem Isländer Snorri Sturluson überliefert, die ihr christlichen Weltbild integrierten, das das heidnische ganz und gar verfälscht. Viele Sagen geben auch überhaupt nicht den richtigen Glauben der Menschen wider, sondern sind lediglich zur Unterhaltung geschrieben, demnach ist da vieles hinzu gedichtet. Erst wenn man die germanische - und indogermanische! - Kultur im Ganzen betrachtet, gelingt es nach und nach herauszufiltern, was denn gelebter Glaube, und was nicht, gewesen sein könnte.

Bei den Totenreichen Gimle und Sindri springt es einem schon in's Auge, dass es sich hierbei um christliche Einflüsse handelt. Selbiges gilt für diesen Strand des Elends in Hel. Ein gutes Herz zu haben, die Zahl und Schwere der Sünden, das sind typisch christliche Kriterien für das Totenreich.
Bilskirnir als Totenreich dagegen mag wohl eher eine dichterische Erfindung sein, stammt die Annahme doch aus einer Sage, in der Odin und Thor stellvertretend für den Edelmann/Krieger und den kleinen Mann/Bauern mit einander zanken. Und da Odin als Gastgeber der gefallenen Krieger gilt, so steht Thor hier als Souverän der toten Bauern - bis in den Tod.
Die Sage von Ran kann zwar durchaus bereits in heidnischer Zeit bestanden haben, wird aber wohl lediglich von den wenigen Seeleuten wirklich geglaubt wurden sein. Zum Großteil waren die Germanen Bauern, ob auf Island oder im Hainich. Sie hätten keinen Grund gehabt, an eine Meeres-Toten-Riesin zu glauben.
Walhall mag es zwar auch gegeben haben, doch auch dieser Glaube wird für die meisten Germanen kaum Relevanz gehabt haben. Lediglich im seltenen Falle eines Krieges, oder innerhalb einiger Krieger-Bünde, wird dieser Glaube großartig Geltung gehabt haben, und das auch erst im Mittelalter.

Es kommt also darauf hinaus, dass Hel das Totenreich der Germanen war. es wird auch wohl kaum ein Land des Schreckens, des Elends oder so gewesen sein, so wissen wir z.B. von muslimischen Reisenden, aber auch aus Pendants z.B. bei den Kelten, dass Hel eher wie unsere Welt gedacht wurde. Inklusive Wäldern, Wiesen, Flüssen und Dörfern. Dieser Glaube war für fast alle Germanen der einzig relevante bezüglich Totenreich, und Bion schrieb ja auch: Nach Hel kommen war ein Synonym für sterben. Der Glaube war so fest verwurzelt in der Bevölkerung - nicht nur, dass unser heutiges Wort für das unterirdische Totenreich Hölle auf Hel zurück geht, sondern auch, dass z.B. noch der hochmittelalterliche Kaiser Barbarossa sein Totendasein in der Erde, im Kyffhäuser, pflichtet.
Wahrscheinlich hatte das Totenreich auch eine Herrin, eine Göttin, die Mutterschaft aber eben auch den Tod in sich vereinte - Holda, Frija, oder auch Frau Holle genannt. Schon das Märchen erzählt von einem schönen unterirdischen Land, das der Guten gehört. Aber auch sonst gibt es recht viele Gemeinsamkeiten von spätgermanischen Göttinnen wie Frigg, Freyja, Hella oder Gefjon zur Gestalt, die wir heute Frau Holle nennen - diese Göttinen werden wohl aus der Holle hervor gegangen sein oder sind zumindest verwandt mit ihr. So wird Gefjons Gefolge sicherlich auch aus der weiblichen Totengöttin, die auch Fruchtbarkeit bringt, hervor gegangen sein, und Sessrumnir wird ein weibliches Pendant zu Walhall sein, das noch - quasi - der alten Totengöttin Holle untersteht.
End ek swerio in allum fernan Landsidun,
in Woden ende Thunar ende Sahsnot
ende allum them Holdum, the hira Genotas sint...
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#7
OT-Beitrag von Sinai entfernt.

@Sinai

Wenn Du über die Bibelübersetzer der Reformation, die altorientalische Gedankenwelt, über das 4. Buch Esra, die Apokalypse, etc. diskutieren willst, dann eröffne dazu in den entsprechenden Unterforen neue Themen.

Hier ist das OT.
MfG B.
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#8
Und da sage noch jemand, die Naturreligionen wären nicht komplex! Icon_cheesygrin

Zitat:Bei den Totenreichen Gimle und Sindri springt es einem schon in's Auge, dass es sich hierbei um christliche Einflüsse handelt. Selbiges gilt für diesen Strand des Elends in Hel. Ein gutes Herz zu haben, die Zahl und Schwere der
Sünden, das sind typisch christliche Kriterien für das Totenreich.
Mag sein. Aber das galt auch schon für das Alte Ägypten: Der Verstorbene musste vor einem Götter-Gericht beteuern, dass er keine Verbrechen begangen hatte ("ich habe keine Witwen betrogen" usw.), und sein Herz wurde gewogen; war es zu schwer, wurde er von dem Monster Ammit gefressen, und seine Existenz war beendet. (Quelle: Wikipedia: Ammit)

Die Idee, dass man "gut" gewesen sein muss, um im Jenseits weiterzuleben, ist also älter als das Christentum und könnte auch auf andere Wege in die germanische Mythologie gesickert sein.
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#9
Nun, die abrahamitischen Religionen hatten viel Kontakt mit dem ägyptischen Glauben, kam da nicht sogar der Monotheismus her? Dann wäre ebenso gut möglich, dass doch auch die moralische Komponente bei den Toten-Kriterien aus dem Lande am Nil zu den Israeliten kam... Eusa_think
End ek swerio in allum fernan Landsidun,
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