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Großmachtpolitik und Diktatur
#1
Gute Diktaturen, schlechte Diktaturen?

Was für Russland erstrebenswert ist, empfinden die USA und Europa als Katastrophe. Nämlich ein Weiterbestehen des Assad-Regimes, in welcher Form auch immer. Heftig werden Russlands Luftangriffe gegen Stellungen "gemäßigter Rebellen", wie man diese im Westen gerne nennt, gescholten. Dass die Türkei schon einige Zeit lang mit den Kurden gleichermaßen verfährt, wird kritiklos hingenommen.

Jeder weiß: Nur ein Einbinden der regionalen Großmächte Iran und Türkei und eine gleichzeitige Verständigung der USA mit Russland kann Erfolg bringen. Die Interessenslagen der beteiligten Mächte sind grundlegend verschieden.

Kann Europa etwas zur Lösung des Problems beitragen? Wenn ja, was könnte das sein?
MfG B.
#2
.. schwierig.. schwierig .. aber vielleicht wäre es möglich die ganze Produktion der letzten sechs Monate an  VW TDI Fahrzeugen, welche jetzt eh keiner mehr haben will, an eine freiwillige Märtyrergarnison zu verkaufen, die sie dann als Stinkbomben und Nebelgranaten gegen den IS einsetzt.

Nein im ernst! Europa tu seine Pflicht, in dem es den Kriegsflüchtlingen aus den Gebieten beisteht.
Abgesehen davon wäre es naiv zu glauben, dass sich keine islamistischen Partisanen unter die Flüchtlinge gemischt haben und wir von daher auch bald schon damit rechnen können, hier in Europa den einen oder anderen "Kriegsschauplatz" zu erleben..
Ich habe überhaupt nichts gegen Gläubige, es sei denn, sie behaupten, die Würde des Menschen hinge alleine vom Glauben an einen Gott  ab.
#3
(05-10-2015, 09:18)Bion schrieb: Gute Diktaturen, schlechte Diktaturen?

Was für Russland erstrebenswert ist, empfinden die USA und Europa als Katastrophe. Nämlich ein Weiterbestehen des Assad-Regimes, in welcher Form auch immer. Heftig werden Russlands Luftangriffe gegen Stellungen "gemäßigter Rebellen", wie man diese im Westen gerne nennt, gescholten. Dass die Türkei schon einige Zeit lang mit den Kurden gleichermaßen verfährt, wird kritiklos hingenommen.

Jeder weiß: Nur ein Einbinden der regionalen Großmächte Iran und Türkei und eine gleichzeitige Verständigung der USA mit Russland kann Erfolg bringen. Die Interessenslagen der beteiligten Mächte sind grundlegend verschieden.

Kann Europa etwas zur Lösung des Problems beitragen? Wenn ja, was könnte das sein?

Da sinds schon ein paar mehr, mit den Saudis kämpft der Iran um die Vorherrschaft in dem Gebiet,
Katar pumpt da Milliarden rein, die Chinesen haben sich auf die Seite der Russen geschlagen,
1 Kriegschiff ist schon da, Jtes sind unterwegs angeblich sollen schon 2 da sein. Ägypten als regionale Großmacht
ist Syrien zugewandt, Techtschenistan hat als kleinerer Player sich bereit erklärt auf Anfrage Truppen in Syrien zu stationieren,
iranische sind schon lange da, mehrere Staaten haben wieder dipolomatische Beziehungen.
Deutschland wird da politisch praktisch vielleicht mal lokal wahrgenommen.
Da kann Einfluss höchstens über die Verbündeten kommen.
Deutschland ist nunmal kein internationaler Player, ausser im unmittelbaren Umfeld wie Ukraine (alles was nicht Wirtschaft betrifft).
Europa müsste erstmal eine Stimme finden.
In so einer talkrunde am Sonntag hat das ein chinesischer Vertreter mal schön ausgedrückt
Da ist man immer verunsichert, wenn man sich in einer Frage engagiert, wie in der Ukrainefrage.
Haben wir es mit Europa zu tun, das muss man dreimal nachdenken oder hat mans nur mit Deutschland zu tun, dann ists halb so wild.
#4
@Harpya: Bitte bleibe beim Thema! Die lokale Politik in Syriens Nachbarschaft und die globale Politik (Russland, USA, China) sind hier nicht gefragt! Denn offenbar operiert diese Politik allein interessengeleitet - jedenfalls nach meinem Eindruck.

Was Europa tun kann: Es kann humanitäre Hilfe leisten und mit guten Beispielen schlechte Politik bloßstellen. Vor dem Frieden ist bekanntlich nach dem Friedensschluss. Es wäre sehr vernünftig, sich darauf einzustellen, dass "danach" umfangreiche Aufbauleistungen zu erbringen sind. Genauso vernünftig ist es, die Flüchtenden aufzunehmen und auszubilden. Die EU könnte sie arbeiten lassen, damit sie die hohen Standards hierzulande kennen lernen. Denn natürlicherweise werden sie später in ihrer Heimat gebraucht. Sie werden umso bessere Botschafter der Werte Europas sein, je besser wir sie hier behandeln.
Ja - und vielleicht sollte die EU (im wohl verstandenen Eigeninteresse) für sichere Flucht-Routen sorgen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
#5
Das würde vorraussetzen, das ein Europa eine Gemeinschaft ist, wo die territorialen Rechte der Einzelstaaten
aufgegeben werden.
Dem ist nicht so, auch nicht absehbar.
Das Flüchtlinge hier ausgebildet werden und sich dann widerstandlos zurückbringen lassen ist ja schwer idealistisch, träumerisch.
Erstmal müsste man überwinden, das die westliche Kultur der islamischen diametral gegenübersteht.
So ein Flüchtling ist doch keine Manövriermasse den man wie eine Schachfigur hin und herschieben kann.
Wie will man denn die Frauen in Ausbildung bringen, die kaum die Wohnung verlassen dürfen.
So einige Experten gehen davon aus, das es 10-15 Jahre dauern wird, bevor der Nutzen die Kosten überwiegt.
DIe Zuzugsproblematik ist da noch garnicht erfasst.
Laut dem UN Flüchtlingswerk sind die Syrer noch das kleinste Problem was da ansteht, anscheinend
erstmal Pakistan und Afghanistan, unter der optmistischen Voraussetzung das zB in Algerien nicht wieder
so Zustände wie vor den Jahren der Flüchtlingswellen des Bürgerkrieges ausbrechen.
"@Harpya: Bitte bleibe beim Thema! Die lokale Politik in Syriens Nachbarschaft und die globale Politik (Russland, USA, China) sind hier nicht gefragt! Denn offenbar operiert diese Politik allein interessengeleitet - jedenfalls nach meinem Eindruck."
"Gute Diktaturen, schlechte Diktaturen?

Was für Russland erstrebenswert ist, empfinden die USA und Europa als Katastrophe. Nämlich ein Weiterbestehen des Assad-Regimes, in welcher Form auch immer. Heftig werden Russlands Luftangriffe gegen Stellungen "gemäßigter Rebellen", wie man diese im Westen gerne nennt, gescholten. Dass die Türkei schon einige Zeit lang mit den Kurden gleichermaßen verfährt, wird kritiklos hingenommen.

Jeder weiß: Nur ein Einbinden der regionalen Großmächte Iran und Türkei und eine gleichzeitige Verständigung der USA mit Russland kann Erfolg bringen. Die Interessenslagen der beteiligten Mächte sind grundlegend verschieden." Bion #1
Wenn Europa was beitragen kann wird das auch nicht als Alleingang sein.
Wenn da ein Land alle Türen öffnet, dann bemerkt, upps das sind ja so viele, dann machen wir das mal zu Europafrage, auch eine Art von Diktatur.
Abgesprochen war das nicht, Europa im Alleingang ?
Jetzt ist die Lage jedenfalls so:
"Umverteilung von Flüchtlingen beginnt am Freitag

Der EU-Kommission zufolge soll am Freitag mit der Umverteilung von Flüchtlingen in diesen Ländern begonnen werden. Ein Flugzeug werde eine Gruppe Eritreer von Italien nach Schweden bringen, erklärte die EU-Kommission.

Die bereits im Sommer vereinbarte Umverteilung von insgesamt 40.000 Schutzsuchenden in der EU war im September offiziell von den EU-Innenministern beschlossen worden. Die Asylsuchenden werden aber nur auf freiwilliger Basis von anderen EU-Staaten aufgenommen." welt
#6
(07-10-2015, 02:20)Harpya schrieb: Das würde vorraussetzen, das ein Europa eine Gemeinschaft ist, wo die territorialen Rechte der Einzelstaaten
aufgegeben werden.
Dem ist nicht so, auch nicht absehbar.
Danach, was nicht ist und nicht geht, war nicht gefragt!

(07-10-2015, 02:20)Harpya schrieb: Dass Flüchtlinge hier ausgebildet werden und sich dann widerstandlos zurückbringen lassen ist ja schwer idealistisch, träumerisch.
Davon hat auch niemand geschrieben! Es werden einige zurück gehen.

Deine Einlassungen über "westliche Kultur" und "Islam" waren nicht gefragt.

(07-10-2015, 02:20)Harpya schrieb: Wie will man denn die Frauen in Ausbildung bringen, die kaum die Wohnung verlassen dürfen.
Schaun wir mal. In Afghanistan waren die Frauen sehr schnell in den Schulen, als die Taliban zurück gedrängt waren.

(07-10-2015, 02:20)Harpya schrieb: So einige Experten gehen davon aus, das es 10-15 Jahre dauern wird, bevor der Nutzen die Kosten überwiegt.
Na, wenn schon. Negativ-Stimmung war noch nie ein Weg, Verbesserungen zu erreichen.

Der Rest ist schon wieder am Thema vorbei.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
#7
Ich diskutiere nicht nur mit Einzelpersonen, eine persönliche Meinung unbenommen,
aber es ist eben nur eine, von anderer Seite habe ich das nicht geleses.
Hier ist kein Moderatorjubelforum, was er meint was geschrieben werden darf oder doch.
Meine Meinung ist eben , nicht am Thema vorbei.
Mag eine Frage der persönlichen Wahrnehmung oder Prägung sein.

Was genau haben hiesige Flüchtlingsfrauen mit den Taliban in Afghanistan zu tun.
Wer muss hier zurückgedrängt werden.


Könnte das am Thema vorbeisein ?
Da gibts doch was von Splittern und Balken in Augen Icon_lol
Tja, der Wetterumschwung kann zu schaffen machen.

Aber was Europa tun kann,
"
Es sei schlichtweg "unmöglich", den Zustrom von rund 10.000 Neuankömmlingen pro Woche zu bewältigen,
führte Schäuble im Rahmen einer Podiumsdiskussion aus. Deutschland könne nicht
pro Woche die gleiche Zahl von Flüchtlingen aufnehmen wie Frankreich in einem ganzen Jahr.
Die Flut der Flüchtlinge "muss bewältigt werden", fügte Schäuble hinzu.
Es sei entscheidend, die Außengrenzen der Europäischen Union, beispielsweise die Grenze zwischen der Türkei und Griechenland, zu sichern."
Welt
Zudem könnte man sich dafür einsetzen das die großen Länder wie die Sowjetunion oder China und USA mehr Flüchtlinge aufnehmen.
Der Afrikanische Kontinent hat durchaus auch etliche Länder die nicht im Krieg sind.

Vorschläge gibts viele
" Hans-Werner Sinn
"Rentenalter muss steigen, um Flüchtlinge zu ernähren"

Die Deutschen sollen nach Meinung von ifo-Präsident Hans-Werner Sinn länger arbeiten, um die Kosten der Flüchtlingsintegration stemmen zu können. Auch der Mindestlohn müsse abgeschafft werden."

Aus seiner Sicht müssen die Deutschen zudem länger arbeiten, um die Kosten der Integration der Flüchtlinge stemmen zu können. "Wir sollten lieber das Rentenalter heraufsetzen, um die Flüchtlinge zu ernähren. Die Alten werden im Übrigen gebraucht, um die Flüchtlinge anzulernen." Wegen ihrer überwiegend niedrigen Qualifikation würden die Migranten die Rentenkassen vorerst nicht ausreichend entlasten.
#8
Europa ist ja auch noch nicht ganz einbezogen bis zum Ural.
Die Grenze zwischen Europa und Asien in Russland ist der Ural, womit sowohl das Gebirge als auch der gleichnamige Fluss gemeint sind. In Europa grenzt Russland an Norwegen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Weißrussland, Ukraine, Georgien, Aserbaidschan und Kasachstan.

Auf der salafistischen Ebene wird sich durchaus auch gekümmert:
*http://www.bild.de/regional/berlin/salafismus/islamisten-warten-an-fluechtlings-aufnahmestelle-42883738.bild.html
*http://www.derwesten.de/politik/schon-30-anwerbeversuche-von-salafisten-an-unterkuenften-in-nrw-aimp-id11164205.html
*http://www.br.de/nachrichten/unterfranken/inhalt/islamisten-salafisten-aschaffenburg-100.html
*http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/salafisten-rekrutieren-in-fluechtlingsheimen-13840742.html
*http://www.welt.de/politik/deutschland/article147248537/Salafisten-sind-die-besseren-Sozialarbeiter.html

Auch die anderen Menschenfischer rüsten auf
"....Denn dieses Foto ziert eine jüngst publizierte Broschüre der Evangelischen Kirche Westfalens, die sich primär an muslimische Flüchtlinge aus der arabischen Welt wendet. Laut ihrem Herausgeber, dem kirchlichen Islambeauftragten Gerhard Duncker, wurden binnen sieben Tagen 7500 Exemplare angefordert. Selbst die zweite Auflage ist vergriffen. Ausgelegt ist sie vor allem in Kirchengemeinden mit Flüchtlingsberatungsstellen und Flüchtlingscafés.

Durch Hochglanz-Fotos von Kreuzen, Kirchen und Christus-Darstellungen, mehr aber durch den arabischen Text klärt sie über die schönen Seiten des Christentums auf. Einleitend heißt es im Text zwar, es gehe darum, dass Christen und Nichtchristen "voneinander wissen, damit sie in Frieden miteinander leben können". Danach aber wirbt die Broschüre doch, wenngleich dezent, für den Glauben Jesu. Da wird erzählt, im christlichen Gottesdienst gehe es um "Hingabe an den einen Gott" (das ist die muslimische Definition von "Islam"). ...

Andere Helfer, etwa aus den Reihen der muslimischen Verbände, versuchen sich durch ihr Engagement auch dem Staat für größere Aufgaben zu empfehlen, vor allem um von diesem als Wohlfahrtorganisation gefördert zu werden. " welt
#9
Wie schon in mehreren Beitraegen oben angedeutet, vertritt hier in Syrien jeder Handelnde von auswaerts nur seine Eigeninteressen. Im Prinzip hat sich Europa wohl schon entschieden; ein neuer russischer Satellitenstaat ist bequemer als der Status Quo. Also schauen wir mal.

Bei der - durchaus gerechtfertigten - oeffentlichen Empoerung ueber Assad ist aber der eigentliche Grund, warum Assad nie freiwillig zuruecktreten wuerde und wahrscheinlich auch gar nicht kann, in der oeffentlichen Berichterstattung ausgeklammert. Als Vertreter einer religioesen Minderheit, der Alawiten, der und die dieses Land seit Jahrzehnten beherrschen, ist Assad ihre einzige Lebensversicherung. Ich bin mir relativ sicher, dass bei seinem Abtritt ein Massaker zu erwarten waere; zumindest wurde schon seit den 1980er Jahren sunnitischerseits die Liquidierung der Alawiten gefordert. Ein Ruecktritt Assads waere also aus vielerlei Gruenden wuenschenswert, war aber nie eine realistische Erwartung. Das ist ein grundsaetzliches Problem unserer Aussenpolitik; viel wohlfeiles Gerede, wenig Realitaetscheck.

Insofern koennen wir Europaeer uns zuruecklehnen und die Russen machen lassen. Das mag zwar zynisch klingen, aber die derzeitige europaeische Politik des ewigen Besserwissens ohne irgendwelche Verantwortung fuer die Folgen zu bedenken ist letztlich hohles und in ihren Folgen unverantwortliches Geschwaetz. Wenn uns die letzten Jahrzehnte etwas gelehrt haben, dann ist es, dass man Demokratie nicht herbeibomben kann. Das mag zwar mehr auf US-amerikanischem Mist gewachsen sein, aber in Afghanistan wollte Deutschland auch mal wieder Grossmacht spielen. Putin zieht zwar jetzt auch eine Show fuer das heimische Publikum auf, aber offensichtlich kommt's uns gerade recht. Dass man da gleich noch mal in gespielter moralischer Empoerung mit dem Finger zeigen kann, ist sozusagen das Sahnehaeubchen oben drauf, und komplett gratis.
#10
(05-10-2015, 09:18)Bion schrieb: Jeder weiß: Nur ein Einbinden der regionalen Großmächte Iran und Türkei und eine gleichzeitige Verständigung der USA mit Russland kann Erfolg bringen.

Iran und die Türkei als "Großmächte" zu bezeichnen, ist stark übertrieben. Sie sind, wenn überhaupt, eine Lokalmacht!
#11
Ob man die Türkei oder den Iran als regionale Großmächte anerkennen will, bleibt dem Betrachter überlassen. Beide Mächte sehen sich jedenfalls als solche.

Zur regionalen Großmachtpolitik der Türkei siehe hier (Diss.): *https://www.freidok.uni-freiburg.de/dnb/download/7617
MfG B.
#12
(08-10-2015, 13:30)Ulan schrieb: ...aber der eigentliche Grund, warum Assad nie freiwillig zuruecktreten wuerde und wahrscheinlich auch gar nicht kann, in der oeffentlichen Berichterstattung ausgeklammert. Als Vertreter einer religioesen Minderheit, der Alawiten, der und die dieses Land seit Jahrzehnten beherrschen, ist Assad ihre einzige Lebensversicherung. Ich bin mir relativ sicher, dass bei seinem Abtritt ein Massaker zu erwarten waere; zumindest wurde schon seit den 1980er Jahren sunnitischerseits die Liquidierung der Alawiten gefordert.

Das wäre wohl zu befürchten.

Die Nahostexpertin Karin Kneissl hat das erst kürzlich auf den Punkt gebracht.

Assad vertritt rund 20% der syrischen Bevölkerung. Es sind das alawitische und andere schiitische, zum Teil auch nichtmuslimische Minderheiten. Der von Assad jetzt noch beherrschte Teil Syriens ist vornehmlich alawitisches Kernsiedlungsgebiet. Ein guter Teil der nichtsunnitischen Bevölkerung Syriens, sofern dieser mit Assad sympathisiert oder sich vor einer Herrschaft radikaler Sunniten mehr fürchtet als vor der Assad-Diktatur, ist dorthin geflüchtet.

Eine Machtübernahme sunnitischer Rebellen würde eine Fluchtwelle der Minderheiten ins Rollen bringen. Diese "Minderheiten" gehen allerdings auch in die Millionen. Und diese würden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht den Iran als Fluchtziel wählen.

Also: Wenn Assad weg wäre, ist das Problem für Europa nicht gelöst. Auch wenn Frankreichs Präsident Hollende das mit der Ansage "Assad muss weg" blauäugig versichert.
MfG B.
#13
(08-10-2015, 16:32)Bion schrieb: Ob man die Türkei oder den Iran als regionale Großmächte anerkennen will, bleibt dem Betrachter überlassen. Beide Mächte sehen sich jedenfalls als solche.

Zur regionalen Großmachtpolitik der Türkei siehe hier (Diss.): *https://www.freidok.uni-freiburg.de/dnb/download/7617

Das sieht sich auch Ägypten die sich auf die Seite Assads geschlagen haben.
Die lokale Großmacht ist jedenfalls Israel, auch nicht ganz unbeteiligt, inder arabischen Presse
recht gut berücksichtigt, hier, naj, was steht hier schon über Nahost was einigermassen stichhaltig ist.
Solange es gegen Syrien geht alles, der Rest ist ziemliches Schweigen.
Nur mal so aus dem Alltag
"United Nations said Wednesday.
The victims, members of the Albu Nimr tribe, were executed on Sunday in the Tharthar area north of Ramadi, the capital of the western Anbar province, tribal elder Naim Gaoud told AFP.

“These people who were executed were the fathers and brothers of members of the police, the army… and of tribal fighters who are battling Daesh,” he said, using an Arabic acronym for ISIL."
Bekommt man die Personen nicht, nimmt man eben die Familie.
8.10
"The Islamic State of Iraq and Al-Sham (ISIS) has released another a gory video in which they brutally execute three Assyrian civilians that were taken captive during their winter offensive (February 23rd) in the Khabour River region of the Al-Hasakah Governorate.

In the video, the terrorist group threatens to execute the remaining 280 captives if a ransom of $50,000 per hostage is not paid to them in the coming weeks; this monetary demand aggregates to $14 million (U.S.) in order to release the prisoners.

Following their threat, the terrorist group summarily executed the three Assyrian captives and made another threat to execute more of the hostages if their demands are not met."
#14
Während man versucht alles in Nahost zu differenzieren, bleibt das bei den Kurden aus, dass ist sehr Seltsam.
Man liest nur "die Kurden", dass wars. Das liegt wohl an der Berichterstattung. 

Dabei ist das "unter den Kurden" ein großes und vor allem interessantes Thema. Das kann man nicht einfach so auf der Oberfläche belassen.
#15
(08-10-2015, 17:24)Bion schrieb: Assad vertritt rund 20% der syrischen Bevölkerung. Es sind das alawitische und andere schiitische, zum Teil auch nichtmuslimische Minderheiten. Der von Assad jetzt noch beherrschte Teil Syriens ist vornehmlich alawitisches Kernsiedlungsgebiet. Ein guter Teil der nichtsunnitischen Bevölkerung Syriens, sofern dieser mit Assad sympathisiert oder sich vor einer Herrschaft radikaler Sunniten mehr fürchtet als vor der Assad-Diktatur, ist dorthin geflüchtet.

Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass Assad die Sunniten gezielt aus ihren staatlichen Ämtern heraus gejagt hat, und somit den Konflikt mit vorbereitet hat. Denn wenn ihm die "Konfession" angeblich egal ist, wie jetzt gerade die Propapaganda via: "Assad steht für ethnische und religiöse Vielfalt und stützt somit den Frieden" warum vertreibt er gezielt Sunniten aus staatlichen Ämtern? Die Sunniten bilden die Mehrheit in diesem Land, sie haben einen Anrecht darauf. Im Gegenzug tut er so, als wären die Sunniten eine Gefahr für diese Art des "toleranten Systems", damit er sein "Alawitentum" und seine ethnische und religiöse Vielfalt angeblich rettet, und spaltet somit seine eigene Bevölkerung, dessen Großteil sunnitisch sind. Das ist einfach ne propagandistische Doppelmoral, die schon so fast nach Europa schwappt.

Man muss die Sunniten wieder nicht nur als Opposition anerkennen, sondern als ein Teil des Staates, und zusammen in Dialog eintreten, dass ist der erste Weg. Die Sunniten per se als Salafisten und Wahabiten ab zu deklassieren, das schon fast hier ankommt, nährt nur diesen Konflikt umso mehr, und holt diesen hier hin.

Außerdem:

Wenn USA und Frankreich offen vor der UN Vollversammlung sagen, dass Assad Fassbomben auf die eigene Bevölkerung wirft, kann man dieses Blutsold über Vertrauen via derzeitige Propaganda (seid ungefähr 3/4 Wochen) "Assads Religion steht für Selbstbestimmung" nicht mehr zahlen. Vor allem wenn man die angebliche Statistik über Spiegel-Online anschaut, die besagt, dass auf Platz 1 Fluchtgrund der syrischen Flüchtlinge Assad ist Platz 2 ISIS. Das ist ein wesentliches Problem. 

Falls man gezielt Assad stützt, wird man Probleme haben, die Menschen wieder zurück zu führen, die vor Assad geflüchtet sind, und das ist ein wesentlicher Teil (nach "Studie").

Das die ISIS sich in Syrien verbreiten konnte, hat einen simplen Grund. Durch die gezielte Teilung Syriens in "die guten und modernen Alawiten" und "die potenzielle Gefahr Sunniten" (mehrheit der Bevölkerung ohne Mitspracherecht) , hat man jene  nationale Einheit getrennt, die nötig gewesen wäre, gegen die ISIS vor zu gehen. ISIS nährt sich von diesem Problem. Und statt dessen tut man auch schon hier so, als wären Sunniten per se ISIS, was aber falsch ist, und tretet mal noch mal auf dieses Problem drauf. 

Deswegen sagen die Syrer auch Fluchtgrund Nr.1 ist Assad. Weil wäre die Nationale Einheit gewähleistet, hätte die ISIS weder militärisch, gesellschaftlich/sozial noch politisch ne Chance dort Fuß zu fassen.


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