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Katholische Priester dürfen Abtreibung vergeben
#1
Katholische Priester dürfen seit Kurzem die Sünde der Abtreibung vergeben, so lautet die "Erlaubnis" des Papstes an seine Priester seit Oktober 2015. Dies allerdings nur im "heiligen" Jahr, welches in diesem Dezember 2015 beginnt. Diese Erlaubnis erlischt also wieder und ist außerdem davon abhängig, ob die betreffende Frau reuig ist und "reuigen Herzens dafür um Vergebung bittet."

Einen der Zeitungsartikel diesbezüglich hier:
http://www.welt.de/politik/ausland/artic...geben.html

Eine Begründung für diesen Umschwung hat es bis dato nicht gegeben und warum die Vergebung bestimmter Sünden neuerdings zeitlich begrenzt möglich sind ebenso nicht.
Mir erschließt sich die Logik dessen absolut nicht. Aus meiner Sicht gibt es entweder eine Sünde die eben eine ist und nicht vergeben wird, egal ob bereut wird oder nicht, da sie aus Sicht der Kirche unmissverständlich einen bestimmten Grad übersteigt oder es handelt sich eben eher um eine Art Vergehen, also eine Tat, die nicht so furchtbar ist und aus diesem Grund vergeben werden kann, wenn derjenige diese bereut und nicht wieder begehen würde. Man beachte dabei, dass ich kein Christ bin und diese Logik der Sünden und Vergebung sowieso nicht nachvollziehen kann oder richtig finde. Aus meiner Sicht steht überhaupt nichts zwischen mir und dem, was ich als Gott betrachte und niemand hat das Recht, mir sagen zu wollen, was zwischen mir und diesem Gott passiert oder was er mir vergibt und was nicht. Diese Logik an sich empfinde ich schon als eine anmaßende Frechheit, aber auch wenn ich versuche, diese Logik zu verstehen ist mir doch  nicht klar, wie man diese Logik zeitlich begrenzt verbiegen kann.

Und was bedeutet überhaupt "bereuen"? Bedeutet dass, das die betreffende Frau bezeugen muss, nie wieder abzutreiben, komme was wolle? Heißt das, dass sie bezeugen muss, dass das was sie tat falsch war und dass sie es rückgängig machen würde, wenn sie könnte? Egal aus welcher Situation heraus diese Schwangerschaft entstanden ist?
Gruß
Motte

#2
So außergewöhnlich, wie es scheint, ist das nicht. Den (von der Beachtung bestimmter Auflagen abhängigen) vollständigen Ablass aller Sünden anlässlich eines Heiligen Jahres (die Abtreibung also eingeschlossen) gibt es seit dem Jahr 1300.

(12-10-2015, 16:06)Schmettermotte schrieb: Heißt das, dass sie bezeugen muss, dass das was sie tat falsch war und dass sie es rückgängig machen würde, wenn sie könnte? Egal aus welcher Situation heraus diese Schwangerschaft entstanden ist?

Ja, das soll "reuigen Herzens um Vergebung bitten" heißen.
MfG B.
#3
(12-10-2015, 16:06)Schmettermotte schrieb: Aus meiner Sicht steht überhaupt nichts zwischen mir und dem, was ich als Gott betrachte und niemand hat das Recht, mir sagen zu wollen, was zwischen mir und diesem Gott passiert oder was er mir vergibt und was nicht.
Das ist auch meine Sicht. Weder "Kirche",  Papst, Allah oder Menschen wie Erdogan sind Gott.
Aber wenn eine gläubige Frau ihre Abtreibung bereut ist es doch cool, wenn ein Priester ihr diese seelische Last nimmt.
Gilt aber für das Begangene. Wenn sie später wieder abtreibt ist es eine neue Situation. Wie beim Abseits.
Ich glaube, wenn es bei Menschen schon "mildernde Umstände" gibt wieso nicht bei Gott?
Die Sünde durch Menschen an Menschen kann durch die betroffenen Menschen vergeben werden. Dazu hat ein werdender Mensch aber keine Möglichkeit.
Jetzt hier mit Einzelschicksalen, Abtreibungen, allgemein zu legalisieren, sozusagen , statt Pille, nimmt werdenden Menschen auch noch den "humanen" Schutz, den sie bis jetzt
noch mehr oder weniger haben.
#4
Aber zeitlich begrenzt... (o.O)
Gruß
Motte

#5
(14-10-2015, 14:22)Schmettermotte schrieb: Aber zeitlich begrenzt... (o.O)

Ja, eigentlich jetzt schon eher weniger Schutz für werdendes Leben.
Wird ja schon als abortieren bezeichnet.
#6
Der neue Papst ist eben doch nicht wirklich anders als seine Vorgänger. Aber vielleicht sollte man von einer Religion auch nicht erwarten, dass sie moderner wird oder sich anpasst. Die Fundamentalisten bleiben sich immerhin treu und gehen nicht mit dem Zeitgeist. Daher wohl auch ihr Erfolg.
Zudem ist die Kirche kein Pflichtverein. Wer deren Ansicht nicht teilt, darf doch jederzeit austreten.

#7
(14-10-2015, 21:04)Gundi schrieb: . Aber vielleicht sollte man von einer Religion auch nicht erwarten, dass sie moderner wird oder sich anpasst.
Zudem ist die Kirche kein Pflichtverein. Wer deren Ansicht nicht teilt, darf doch jederzeit austreten.
Genau! Deshalb brauchen Kirchen weder legalisierte Abtreibung noch Schwulenhochzeiten in ihr "Programm" aufnehmen.
#8
Aber: staatlich finanzierte Einrichtungen unter kirchlicher Flagge müssen den Werten unserer Gesellschaft und des Grundgesetztes unterstehen und nicht der Kirche. Der Einfluss der Kirchen und dessen Finanzierung durch jeden einzelnen Bürger sollte langsam mal der Geschichte angehören.

#9
(14-10-2015, 21:21)Gundi schrieb: Aber: staatlich finanzierte Einrichtungen unter kirchlicher Flagge müssen den Werten unserer Gesellschaft und des Grundgesetztes unterstehen und nicht der Kirche. Der Einfluss der Kirchen und dessen Finanzierung durch jeden einzelnen Bürger sollte langsam mal der Geschichte angehören.

Ist das nicht Erpressung? Gegen Abtreibung = keine Kohle mehr? Gegen kirchliche Schwulenhochzeiten = Strom abschalten?
#10
Mir ist die Logik dessen trotzdem nicht klar. Inwiefern hat es noch eine moralische Grundlage, eine Sünde hunderte Jahre als Sünde zu deklarieren, und diese dann doch für einen begrenzten Zeitraum zu "entsünden".

Das ist ja als würde ich jetzt, nachdem ich das über ewige Zeiten verteidigt habe was ich als Sünde betrachte, auf einmal doch zugeben, dass meine unvergebbare Sünde doch garnicht soooo schlimm ist. Aber damit ich das nicht komplett zugeben muss begrenze ich das eben auf dieses eine Jahr. Wieso? Und wenn ich das damit begründe, dass es sich um ein heiliges Jahr handelt, in dem man offensichtlich rücksichtsvoller und mitmenschlicher ist, warum ist man das dann nicht immer? Es scheint ja in die Moral reinzupassen.
Gruß
Motte

#11
(15-10-2015, 10:07)Schmettermotte schrieb: Das ist ja als würde ich jetzt, nachdem ich das über ewige Zeiten verteidigt habe was ich als Sünde betrachte, auf einmal doch zugeben, dass meine unvergebbare Sünde doch garnicht soooo schlimm ist.
Du lebst doch nicht schon "ewige Zeiten". Die, die das Heute im heiligen Jahr vergeben sind doch neue Menschen. Obwohl, wie gesagt sie eigentlich gar nichts zu vergeben haben, weil sie nicht betroffen sind.
Die "Betroffenen" sind die Ungeborenen, die die Welt nie gesehen haben. Also eine Sache zwischen Gott und der "Mutter".
Mag sein, dass sich mancher Priester als Gott fühlt aber die Mutter sollte sich an den halten der Gott ist.
Heutzutage ist aber, trauriger Weise, fast nur die "Kirche" eine Art Lobby für werdende Menschen.
#12
@Schmettermotte: Sündenvergebung macht nicht sündenfrei. Die begangene Sünde bleibt. Nur die Schuld muss nicht mehr "abbezahlt" werden - was auch immer die theologischen Vorstellungen dabei sein mögen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
#13
(15-10-2015, 11:44)indymaya schrieb: Heutzutage ist aber, trauriger Weise, fast nur die "Kirche" eine Art Lobby für werdende Menschen.
Das wäre in Ordnung. Nur ist die Kirche auch die Verwaltung seelischer Gewalt in der Form z. B. vorenthaltener Vergebung, der Predigt von den Höllen- oder Gottesstrafen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
#14
(15-10-2015, 11:44)indymaya schrieb: Die "Betroffenen" sind die Ungeborenen, die die Welt nie gesehen haben. Also eine Sache zwischen Gott und der "Mutter".
Was hat Gott damit zu tun? Es geht erstens um das Wohl der Mutter. Diese endscheidet über Ihren Körper und über das was neues Leben bringen kann. Selbstverständlich wird sie von ihrer Familie darin unterstützt, da hat sich eine Religion oder Politik nicht einzumischen!
(15-10-2015, 11:44)indymaya schrieb: Mag sein, dass sich mancher Priester als Gott fühlt aber die Mutter sollte sich an den halten der Gott ist.
Priester sind nur die Sprachrohre ihrer angeblich religionskundigen Vorgesetzten deren Meinung sie verbreiten sollen.
Die Mutter brauch sich nicht an Gott zu halten, sie soll ihrem Gewissen folgen.
(15-10-2015, 11:44)indymaya schrieb: Heutzutage ist aber, trauriger Weise, fast nur die "Kirche" eine Art Lobby für werdende Menschen.
Richtig, die Kirche aggiert als Lobby, weil sie nur ihre Seite sieht.  
Werden medizinische, soziale Aspekte bedacht?
#15
(16-10-2015, 18:10)Wilhelm schrieb: Die Mutter brauch sich nicht an Gott zu halten, sie soll ihrem Gewissen folgen.
Das ist der gleiche Geist.


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