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Jesus oder Jesos
#1
Warum hieß unser Herr Jesus und nicht Jesos ?

Das lateinische us ist seltsam. Unser Herr hatte keine Liebe zu Rom und zur römischen Kultur
Die griechische mochte er auch nicht, aber immerhin gibt es ein griechisch-sprachiges Evangelium. Nach seinem Tode zwar geschrieben, aber immerhin ein schwaches Indiz dafür, daß einige seiner Jünger Griechisch kannten, zumindest die vier Evangelisten, und im Teich der Griechen fischten.

Natürlich gab es auch ein hebräisches Evangelium für die zahlreichen Judenchristen, aber das latinisieren finde ich äußerst seltsam

Ein lateinischer Name ?

Na ja, der berühmte mosaische Revoluzzer Fischhof hatte ja auch den Vornamen Adolf
Am alten israelitischen Friehof am Wiener Zentralfriedhof (1. Tor!) kann man sein pompöses Grab bewundern, rechts deutsche Inschrift, links hebräische !
#2
(14-03-2017, 21:38)Sinai schrieb: Warum hieß unser Herr Jesus und nicht Jesos ?

Das lateinische us ist seltsam.

´Jesus´ ist die lateinische Schreibung von Ἰησοῦς (Iesous), dem gräzisierten hebräischen יֵשׁוּעַ (Jeschua), im Deutschen zumeist ´Joshua´ wiedergegeben.

Die Namensidentität des Jesus und des legendären Moses-Nachfolgers und Führers der Israeliten nach Kanaan, Joshua, ist kaum zufällig. Beide Namen lauten im Griechischen ´Iesous´ und wurden in der Septuaginta (griechische Übersetzung der hebräischen Bibel) beide so geschrieben. In modernen Bibelübersetzungen wird die Schreibweise der Namen unterschieden (Joshua vs. Jesus), um die ´Einmaligkeit´ des Jesus nicht zu beeinträchtigen.
 
These:
 
Die urchristliche Bewegung (welcher Art auch immer) legte ihrem Heros den Namen ´Iesous´ bei, um ihn als Vervollkommner der mosaischen Mission zu kennzeichnen.
 
Man kann nun einwenden, dass ´Joshua´ ein häufiger jüdischer Vorname war und die Namensgleichheit bei Jesus und Joshua nur zufällig ist. Der Einwand setzt allerdings die Historizität des Jesus voraus, die an einem Faden hängt, den ´seiden´ zu nennen noch wohlwollend ist. Für eine künstliche Namensgebung spricht, dass die Evangelisten, besonders Matthäus (über 60 AT-Verweise), bemüht waren, das Schicksal ihres Helden sowie wichtige Begleitumstände als ´Erfüllungen´ von Weissagungen im AT darzustellen, um Jesus für die Juden als Messias glaubhaft zu machen. Entsprechend kann man vermuten, dass auch der Name mit der Absicht ausgewählt wurde, die Mission des Helden zu veranschaulichen - wofür es keinen geeigneteren gab als ´Joshua´.
 
Zu Joshua:
 
Nach biblischer Chronologie hat Joshua im 13. Jh. BCE gelebt. Laut dem Buch Exodus gehörte er zum engsten militärischen Stab des Moses und begleitete ihn zum Berg Sinai. Später war er einer der 12 Spione, die Moses aussandte, um die Lage in Kanaan zu erkunden (Numeri 13). Im Buch Joshua 1,1-9 wird er von Jahwe als Nachfolger des Moses bestimmt und mit der Unbesiegbarkeit auf Lebenszeit gesegnet. Seine Historizität wird - wie die des Moses - in Historikerkreisen bezweifelt, da es keine archäologischen Hinweise auf kriegerische Landnahmen im Kanaan jener Zeit gibt.
 
Wie Justin haben viele christliche Autoren den Namen des Joshua als prophetische Vorwegnahme des Namens des Jesus gedeutet. Faktisch ist es eher umgekehrt: Der Name wurde ´Jesus´ gegeben, um diese Figur an die hebräische Tradition anzuschließen und den ihr zugeschriebenen messianischen Anspruch für Juden glaubwürdiger zu machen.
 
Beispiele (kleine Auswahl):

Zitat:Johannesevangelium 5,46:
 
(Jesus spricht)
 
Denn wenn ihr Mose glaubtet, so würdet ihr mir glauben, denn er hat von mir (=Joshua) geschrieben.
 
Barnabas-Brief 12,8:
 
Was sagt wiederum Mose zu Iesous, dem Sohne des Nave, da er ihm diesen Namen beilegte, als einem Propheten, nur damit das ganze Volk höre, dass der Vater alles offenbare über Iesous, seinen Sohn?
 
Justin im ´Dialog´, § 75:
 
Wer hat nun eure Väter in das Land geführt? Sehet es doch endlich einmal ein, dass es der war, welcher diesen Beinamen Iesous erhalten hatte und zuerst Auses genannt worden war! Wenn ihr nämlich dieses einsehen werdet, dann werdet ihr auch erkennen, dass derjenige, der zu Moses gesprochen hatte: ‚mein Name ist in ihm’, Iesous selbst war.
 
Tertullian, ´Gegen Markion´, 3,16:
 
Als Auses, der Sohn des Nave, zum Nachfolger des Mose bestimmt war, wurde sein früherer Name beseitigt und er fängt an Jesus zu heißen; und wir behaupten vorab, dass das ein Vorbild des Zukünftigen gewesen sei.

Zum obigen Zitat aus dem JohEv:

Der johanneische Jesus behauptet hier seine Identität mit dem Joshua des AT, d.h. Moses hat damals bereits mit Jesus als dem göttlichen Logos kommuniziert. Diese Argumentation ist ein klassischer Fall von Hysteron-Proteron: Das zu Beweisende ist in den Voraussetzungen enthalten. Nur wer im Joshua des AT dem Christus-Logos erkennt, kann den gegenwärtigen Jesus mit Joshua gleichsetzen. Natürlich entspringt der Dialog der Phantasie des Autors des Johannesevangeliums.

Abgesehen davon ist es ohnehin undenkbar, dass ein jüdischer Wanderprediger sich öffentlich mit dem Joshua des AT gleichgesetzt hätte, wie es auch nicht denkbar ist (um ein Beispiel aus dem Mt zu nehmen), dass sich ein Wanderprediger wie auf der Bühne eines antiken Götter-Dramas öffentlich so geäußert hätte:

Mt 10,32f.

32 Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich bekennen am Gerichtstag vor meinem Vater im Himmel.
33 Wer mich aber vor den Menschen nicht kennen will, den werde auch ich am Gerichtstag vor meinem Vater im Himmel nicht kennen.

Das ist antike Mysteriendichtung ohne historischen Wert.
#3
Ich nehme an, weder noch denn in seiner Muttersprache wird er mit Yeshua Mossiach ausgerufen.
#4
(31-03-2017, 16:42)TheLight schrieb: Ich nehme an, weder noch denn in seiner Muttersprache wird er mit Yeshua Mossiach ausgerufen.

´Jeshua´ist aramäisch und hebräisch. Ob Jesus, falls überhaupt historisch, auch ´meschiah´ gerufen wurde (nicht ´mossiach´), ist sehr zweifelhaft. Seine Messianität wurde vermutlich erst von den posthumen Gemeinden proklamiert. Nach jüdischen Kriterien war er ohnehin kein Messias.
#5
(31-03-2017, 17:23)Tarkesch schrieb: Nach jüdischen Kriterien war er ohnehin kein Messias.

Das Threadthema hier ist nicht die Fragestellung ob Jesus "nach jüdischen Kriterien" der "Messias" war; und wenn nicht, ob dann Römer oder Germanen einen "Messias" brauchen, sondern es geht hier um die Fragestellung "Warum hieß unser Herr Jesus und nicht Jesos ?"

Wo doch das uns vorliegende Konvolut des Evangeliums in griechisch geschrieben wurde.
Das zweifellos existierende hebräische Original ging offenbar in den Wirren der Christenverfolgung unter; irgend eine für die Heidenmission angefertigte Übersetzung ins Griechische, die an der Peripherie des Reiches herumgeisterte, hat zufällig überlebt.
Eigentlich war das kein Zufall, ist ja sehr plausibel: während die Römer unter Titus Jerusalem brandschatzten und jede hebräische Schrift, die ihnen in die Hände fiel, ins Feuer warfen, während dann später im Bar-Kochba-Aufstand jeder Judenchrist aus Angst vor Folter und Hinrichtung alle seine hebräischen Schriften selbst verbrannte, geisterten in den Städten außerhalb des Römischen Reiches christliche Schriften in der damaligen lingua franca des Orients herum, das war damals unter anderem Griechisch. Und so eine griechische Übersetzung der Schriften der 4 Jesusjünger hat halt überlebt!
#6
(17-06-2017, 08:20)Sinai schrieb: Das zweifellos existierende hebräische Original ging offenbar in den Wirren der Christenverfolgung unter;...

Jedem, der sich zu dieser Frage einigermaßen am Stand der Wissenschaft bewegt, ist bekannt, dass es "hebräische Grundtexte" zu den Evangelien nicht gegeben hat. Es ist unredlich, historische Sachverhalte aus dem Bauch heraus zu behaupten.

Da es eine religionsgeschichtliche Frage (und keine theologische) zu beantworten gilt, wird das Thema ins Unterforum Religions- und Kulturgeschichte verschoben.
MfG B.
#7
(17-06-2017, 08:20)Sinai schrieb:
(31-03-2017, 17:23)Tarkesch schrieb: Nach jüdischen Kriterien war er ohnehin kein Messias.

Das Threadthema hier ist nicht die Fragestellung ob Jesus "nach jüdischen Kriterien" der "Messias" war; und wenn nicht, ob dann Römer oder Germanen einen "Messias" brauchen, sondern es geht hier um die Fragestellung "Warum hieß unser Herr Jesus und nicht Jesos ?"

Und das Threadthema wurde von Tarkes©h behandelt, der zum Namen "Iesous" (der griechischen Schreibweise) ausfuehrlich Stellung genommen hatte. Diese griechische Schreibweise wurde, wie von ihm dargestellt, auch keineswegs in christlicher Zeit erfunden, sondern war die gaengige Schreibweise im griechischen Tanach, der Septuaginta.

(17-06-2017, 08:20)Sinai schrieb: Wo doch das uns vorliegende Konvolut des Evangeliums in griechisch geschrieben wurde.
Das zweifellos existierende hebräische Original...

Genau das mit einem "hebraeischen Original" wird aber von den meisten Experten sehr wohl angezweifelt.
#8
(14-03-2017, 21:38)Sinai schrieb: Unser Herr hatte keine Liebe zu Rom und zur römischen Kultur
Die griechische mochte er auch nicht


Wie jetzt?

Meinst du im Ernst, dass Gott kleinkarierte Vorurteile gegen Rom und Griechenland hat?
Sie wie manche Deutsche sie haben, wenn sie spießig verspießert sind?
#9
Fragen an Leute zu stellen, die nicht mehr Mitglied dieses Forums sind, ist recht muessig.
#10
Spam geloescht. Thread geschlossen.


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